SkyNews CH

Edelweiss-Kommerzchef im Interview: «Sommerflugprogramm wie geplant»

Edelweiss-Kommerzchef im Interview: «Sommerflugprogramm wie geplant»

27. April 2026: Der Kommerzchef von Edelweiss, Patrick Heymann, gibt sich zuversichtlich, dass die Schweizer Ferienfluggesellschaft ihren Sommerferienflugplan trotz der herausfordernden geopolitischen Lage wie geplant anbieten kann. Derzeit gebe es in der Schweiz kein Treibstoffproblem, erwähnte er anlässlich der Taufe des ersten Edelweiss-Airbus A320neo auf den Namen «Hoch Ybrig» am 22. April.

Interview Hansjörg Bürgi und Lukas Lusser

Ersetzt die erste A320neo eine A320ceo bei Edelweiss?

Nein, die «Hoch Ybrig», unser erster Airbus A320 der neuen Generation, dient dem Ausbau der Kurz- und Mittelstreckenflotte. Unsere drei ältesten A320ceo, die HB-IHX, -IHY und -IHZ, werden erst ab 2027 bis 2029 ausscheiden. Die weiteren fünf A320neo, welche wir von Austrian Airlines übernehmen, stossen ab Mitte 2027 zu uns. Insgesamt werden wir so die gesamte A320-Flotte um zwei Flugzeuge auf 18 erweitern. Unsere erste A320neo HB-JDB verfügt auch über elektrifizierte Sitze, so dass man etwa sein Ipad oder Iphone aufladen kann.

Auf welchen Strecken kommt die A320neo zum Einsatz?

Aufgrund des um 15 Prozent tieferen Treibstoffverbrauchs gegenüber einer A320ceo fliegen wir die HB-JDB vornehmlich auf längeren Mittelstrecken, so auf die Kanaren oder Kap Verden, also Flüge, die zwischen vier und fünf Stunden dauern. Die A320neo schliesst sich in den Roll-over unserer Flotte an, nach dem wir auf der Langstrecke mit der A350 Flugzeuge der neusten Generation einsetzen, folgt diese Entwicklung nun auch auf der Kurzstrecke. Zudem gehen wir davon aus, dass die Kinderkrankheiten der A320neo überwunden sind und die Flugzeuge und ihre Triebwerke bei uns erwartungsgemäss funktionieren.

Wie schaut denn die Entwicklung der Langstreckenflotte aus?

Derzeit setzen wir vier A350 und drei A340 ein. Die letzte A340 sollte Mitte 2027 die Flotte verlassen. Wir prüfen jedoch, ob wir die A340 aufgrund der aktuellen Treibstoffpreise früher als geplant ausmustern. Diesen Sommer werden wir die A340 auch vermehrt auf Europaflügen mit grosser Nachfrage einsetzen, so etwa nach Spanien, auf die Balearen oder nach Pristina.

Weshalb wurden Seattle und Denver gestrichen?

Die Nachfrage in die USA hat sich aufgrund der geopolitischen Lage abgeschwächt. Nur die Streichung einzelner Flüge hat nicht die gewünschte Wirkung erzielt, deshalb haben wir uns entschieden, die Destinationen komplett zu streichen. Die dadurch gewonnenen Kapazitäten werden aber ab Juli für eine auf zweimal pro Woche aufgestockte Verbindung auf die Malediven und dreimal pro Woche nach Namibia gebraucht.

Im Winter 2026/27 sind Muskat und Salalah schon gestrichen, dauert die Nahost-Krise so lange?

Die Strecke nach Salalah hat sich erst im Aufbau befunden, nun ist die Nachfrage komplett eingebrochen, ebenso für Muskat. Das ist unglücklich, Salalah wäre eine sehr attraktive Destination, aber sie ist nun richtiggehend «weggefegt» worden.

Welche Destinationen sind denn nun mehr gefragt?

Die Nachfrage für die Malediven ist riesig, aber auch für die Seychellen, Mauritius oder Sri Lanka. Das sind alles Verbindungen, zu denen viele Passagiere bislang über die Golf-Hubs geflogen sind. Nun reisen sie mit uns im Direktflug dorthin. Deshalb fliegen wir auch über den Sommer auf die Malediven.

Die Reiselust ist also trotz des Iran-Krieges ungebrochen?

Ja, die Nachfrage nach Direktflügen hat enorm angezogen und das Buchungsverhalten ist kurzfristiger. Aber während den Ferienwochen oder über Pfingsten und Auffahrt ist die Nachfrage generell sehr gross. Da hat sich das frühzeitige Buchen gelohnt.

Wie sieht es aus mit Treibstoffzuschlägen?

Wir haben einen grossen Teil unseres Treibstoffbedarfs gehedgt, also abgesichert. Doch es geht nicht nur um den Ölpreis, sondern vielmehr um die Kapazitäten der Raffinerien, daher kommt der Preisanstieg. Auf der Langstrecke haben wir die «international surcharge» wegen den höheren Treibstoffpreisen punktuell angehoben. Auf den Kurzstrecken haben wir die Preise angepasst, aber da sprechen wir von einer Erhöhung von etwa zehn Franken pro Ticket.

Müssen jene Fluggäste, welchen ihren Flug bereits vor Beginn des Iran-Krieges gebucht haben, nun nachzahlen?

Nein, denn Frühbuchen lohnt sich, unsere Flüge sind 364 Tage vor Abflug buchbar. Die höheren Preise gelten nur für neue Buchungen.

Wie geht Edelweiss mit der Treibstoffknappheit um?

Das ist eine grosse Herausforderung. Wir sind die Task-Force der Swiss und somit in jene der Lufthansa Group eingebunden und beobachten die Situation täglich. Im Moment herrscht in der Schweiz keine Treibstoffknappheit, auch keine Kerosinknappheit. Das ist die Basis unserer Planung. Stand heute werden alle unsere publizierten Flüge während den Sommerferien durchgeführt. Wenn es neue geopolitische Verwerfungen gibt, muss man die Situation aber neu anschauen.

Interview Hansjörg Bürgi und Lukas Lusser

2) Der Geschäftsführer der Hoch-Ybrig AG, Wendelin Keller, und Edelweiss-CCO Patrick Heymann tauften den ersten Airbus A320neo der Schweizer Ferienfluggesellschaft auf den Namen «Hoch Ybrig». Foto Hansjörg Bürgi

Der Beitrag Edelweiss-Kommerzchef im Interview: «Sommerflugprogramm wie geplant» erschien zuerst auf Sky News.

Quelle: SkyNews CH